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Aus dem Lexikon
Die Erdbestattung Unter einer Erdbestattung (auch: Inhumation) versteht man die Beisetzung des Leichnams in ... weiter lesen
Ökobeisetzung nach Westernart
Deutsche Bestattungsbranche bleibt zurückhaltend – Ausland profitiert bereits vom neuen ökologischen Umwelttrend
Hannover. In Holland, England und den USA kommen Ökobestattungen immer mehr in Mode. Während dort die Nachfrage steigt, verweigern sich deutsche Bestatter noch weitgehend diesem Trend.
Im holländischen Sevenum hat man in das neue ökologische Umweltbewusstsein bereits kräftig investiert. Für die dortige Sargmanufaktur hat sich der Verkauf von Ökosärgen bereits zu einem beachtlichen Umsatzfaktor von 25 Prozent entwickelt. Dabei sind solche Särge kaum schmuckvoller als jene Erdmöbel, die tote Cowboys im Western erwarten: naturbelassene Bretter, simpel verleimt zu einer trapezförmigen Kiste. An den Seiten baumeln Textilschlaufen zum Tragen. Keine Lacke, wenig Metall, das Innenleben aus Baumwolle.
Für die darbende deutsche Sargindustrie und dem nachgelagerten Bestattungswesen ist dieser neue Ökotrend ein neuerlicher Beweis für eine wachsende “Entsorgungsmentalität” sowie für eine “sterbende Bestattungskultur”. Eine Einschätzung, die jedoch längst nicht alle Branchenkenner teilen. Denn der vermeinliche Ausverkauf abendländischer Bestattungsrituale folgt zunehmend dem Druck von Kosten- und Wettbewerbsproblemen: Immer weniger Hinterbliebene sind bereit, für ein repräsentatives Begräbnis oder eine Feuerbestattung tief in die Tasche zu greifen. Das erzeugt einen Hang zur Billigbestattung, zumal die Konkurrenz aus Osteuropa ständig an der Preisspirale dreht.
Dass ein Ökobegräbnis aber nicht Low Budget sein muss, zeigen Erfahrungen aus England, dem Vorreiterland für neue Bestattungskulturen. Bei Ökobestattungen geht es dort schlicht darum, so spurlos wie möglich von der Erde zu verschwinden. Auf der Insel wird häufig auf die Einbalsamierung der Leiche verzichtet, weil die Chemikalien als umweltschädigend gelten. Auch prunkvolle Leichenwagen mit hohem Benzinverbrauch sind nicht gern gesehen. Bestatter bieten wieder Pferdewagen an.
Wenn überhaupt ein Grabstein die letzte Ruhestätte zieren soll, dann nur einer, der nicht weit transportiert wurde. Wer sich einäschern lässt, verfügt, ganz politisch korrekt, dass die Asche in einer Urne aus Bambus oder gepresstem Maismehl statt aus Metall landet. So verrottet sie nach der Beisetzung.
Auch in den USA bringen Ökobestattungen Bewegung in die Branche. Angestrebt werden dort ökologische Friedhöfe, die sich von einem Park nicht mehr unterscheiden. So sollen Naturflächen erhalten bleiben. Auf dem Friedhof im kalifornischen Fernwood gleichen Gräber einem Flecken Gras, den Angehörige mit einem Navigationsgerät finden.
Solche Trends haben es in Deutschland schwer. Der Verband der Deutschen Zuliefererindustrie für das Bestattungswesen betrachtet die Entwicklung im Ausland skeptisch und verweist darauf, dass deutsche Vollholzsärge bereits dem Ökotrend entsprechen. Auch der Verband der Bestatter hält wenig vom Ökotrip. Für ihn sind die umweltfreundlichen Bestattungen im Ausland nur eine Vermarktungsnische. Für ihn wahren die deutschen Bestattungsformen längst die Erfordernisse des Umweltschutzes.
Bleibt festzuhalten: Die Generation, die mit Biojoghurts groß geworden ist, stellt die Sargkäufer von heute. Die alten Menschen denken bei einem Sarg noch meist an die übliche Eiche, aber dem Geschmack der Jüngeren entspricht das wohl nicht mehr. Und sie sind es, die ihre Eltern oder Großeltern zu Grabe tragen.
Quelle: Welt am Sonntag
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