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Aus dem Lexikon
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Musik, wenn die Welt stehen bleibt
Trauerbewältigung auch über Pop und Rock – individuelle Musikwünsche bei Trauerfeiern nehmen zu
Paderborn. Mit Tränen in den Augen stehen Familienmitglieder, Freunde und Bekannte in der Trauerhalle, um sich zu verabschieden. Dann erklingt Musik: "If you leave me now" der amerikanischen Rockband Chicago. Für die Trauergäste war das ein ergreifender Augenblick. Auch das Lieblingslied des Verstorbenen, ein Stück von den Beatles, wurde während des Begräbnisses gespielt. Das Paar hatte die beiden Stücke schon vor dem Tod des Ehepartners ausgewählt.
“Musik ist bei Trauerfeiern nicht wegzudenken. Aber nicht nur religiöse Musik, sondern auch Melodien aus dem Lebensumfeld der Trauernden können helfen", erklärt Prof. Dr. Heiner Gembris von der Universität Paderborn. Der Musikpädagoge und -Psychologe hat jüngst eine Studie zum Thema Musik am Grab veröffentlicht. Darin befragte er 114 Menschen zwischen 15 und 86 Jahren nach ihrer Vorstellung von Musik bei ihrer eigenen Beerdigung. Dabei wurde deutlich, dass vielen die individuelle musikalische Begleitung wichtig ist. Die Hälfte der Befragten wünschten sich geistliche Musik, Choräle und Requiem, die überwiegend Jüngeren stellten sich Popmusik, Balladen, Soul und sogar Swing oder Jazz vor.
Die Auswahl der Stücke verlangt sehr viel Einfühlungsvermögen. Denn Musik erreicht ganz andere Tiefen im Menschen als eine Rede. Die Lieblingslieder müssen daraufhin überprüft werden, ob alle Beteiligten sie aushalten können. Vor allem sollen sie in ihrer Wirkung an glückliche, gemeinsame Zeiten erinnern.
Gleichberechtigt neben dem Wunsch, an den Verstorbenen zu erinnern, steht das Verlangen, Kraft und Hoffnung zu geben. Und eine nicht zu traurige, manchmal sogar fröhliche Atmosphäre zu erzeugen. Besondere Musikwünsche der Angehörigen sind zugleich auch eine sehr persönliche Art der Trauerbewältigung.
Manchmal bleibt die Welt stehen, wenn jemand stirbt. Aber der Abschied soll Raum bekommen. Wenn man den Schmerz nicht zulässt, wird alles einfach nur abgewickelt. Musik hilft loszulassen.
Quelle: www.nw-news.de
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