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Aus dem Lexikon
Die Erdbestattung Unter einer Erdbestattung (auch: Inhumation) versteht man die Beisetzung des Leichnams in ... weiter lesen
Mehr Toleranz durch Begegnung und Austausch
In der Trauer sind sich Christen, Juden und Muslime näher als man glaubt
Worms. In der Bestattungskultur von Christen, Juden und Muslimen gibt es entwicklungshistorische Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten. Dies schafft Brücken für ein besseres Verständnis, wenn es um Traditionen, Symbole und Rituale geht.
Juden glauben, dass die Verbindung zu den Verstorbenen unbedingt aufrechterhalten bleiben muss, weil diese in die Vergangenheit der Gemeinde führen. Nach der Grablegung beginnt eine siebentägige Trauerzeit, an die sich ein Trauermonat und ein Trauerjahr anschließen. Nach jüdischem Verständnis sollen alle Menschen im Tode vor Gott gleich sein - was bedeutet, dass zwischen Arm und Reich in der Grabausstattung kein Unterschied gemacht wird. Früher gab es bei den Särgen nur Einheitsmodelle. Auf Grabschmuck wurde meist verzichtet. Pflicht ist es inzwischen, auch hebräische Schriftzeichen auf den Grabsteinen anzubringen. Das war nicht immer so. Viele alte Gräber deutscher Juden sind nur in Deutsch abgefasst. Ein Zeichen, wie sehr sich die damaligen Juden mit Deutschland verbunden sahen.
Nach christlich-religiösem Verständnis hat die Bestattungskultur sehr viel mit Menschenwürde zu tun. Ein Kind Gottes kann daher nicht einfach entsorgt werden, die Kirchen stehen deshalb der anonymen Bestattungsform ablehnend gegenüber. Gleichwohl gibt es keine vorgeschriebenen Regeln bei einer Bestattung. Art und Weise der Beerdigung bestimmen der Verstorbene beziehungsweise dessen Angehörige. Zwar plädiert die katholische Kirche für eine Erdbestattung, weil nach christlichem Glauben der Mensch der Erde wieder zurückgegeben werden muss. Dennoch verschließt sie sich nicht den zunehmenden Wünschen von Feuerbestattungen oder sogar Friedwäldern.
Die Verweltlichung der Friedhofskultur ist wohl auch ein Grund dafür, dass es inzwischen keine kirchlichen Friedhöfe mehr gibt. Früher wurden Friedhöfe immer rund um die Kirche angelegt. Heutige Friedhöfe werden alle von der Kommune verwaltet. Eine Folge davon ist, dass auf zahlreichen bundesdeutschen Friedhöfen religiöse Vorurteile schon seit Jahren “begraben” worden sind. Hier gibt es Friedhofsbereiche, die nur für Mitbürger islamischen Glaubens ausgewiesen sind. Ziel ist dabei: Öffnung statt Abschottung. Denn religiöse Toleranz entsteht nur da, wo auch Begegnung und Austausch stattfindet.
Quelle: www.wormser-zeitung.de
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