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Aus dem Lexikon
Die Erdbestattung Unter einer Erdbestattung (auch: Inhumation) versteht man die Beisetzung des Leichnams in ... weiter lesen
Auf ein Wort
Eine Hure mit gutem Ruf
Hamburg. Es ist nicht bedeutungslos, wie ein Mensch unter die Erde kommt. Denn seine Würde bleibt unantastbar, auch über den Tod hinaus. Dabei ist nicht bedeutsam, was er im Leben darstellte, sondern wie er gelebt hat. Die ehemalige Liebesdienerin Domenica Niehoff ist ein beredtes Beispiel dafür.
Als sie im Februar im Alter von 63 Jahren an den Folgen eines Lungenleidens verstarb, drohte ihr letzter Gang für die Hansestadt zu einem “sozialen Sterbefall” zu werden. Niemand aus dem vermeintlich großen Bekanntenkreis schien bereit, der wohl bekanntesten Hure Deutschlands ein würdiges Begräbnis zu finanzieren. Verwundert reagierte das finanziell hilfsbereite Bestattungsinstitut GBI, dass nur vier Freunde der toten Domenica während der Aufbahrung die letzte Ehre erwiesen.
Einst der ungekrönte Star der Herbertstraße, schien die beeindruckende Tochter eines italienischen Eisverkäufers auch von jenen feinen Menschen vergessen worden zu sein, die früher so gern mit dieser üppigen Verkörperung der Sünde auf Smalltalk-Parties geplauscht hatten.
Zu guter Letzt aber zeigte nicht nur das Milieu Flagge. Nach einem von Freunden organisierten Trauerzug durch St.Pauli, dem sich Hunderte von Menschen anschlossen, beeindruckte die von der GBI gestaltete Trauerfeier in der Gemeindekirche “Am Pinnasberg”, in der angeblich nahezu 700 Trauergäste Abschied genommen haben sollen.
Ihre Anteilnahme galt weniger dem Sex-Symbol Domenica, sondern vielmehr jenem lebensfrohen Kölner Menschenkind mit dem großen Herzen, dass sich nach ihrem turbulenten Leben als Prostituierte im Jahre 1990 mit 45 Jahren in zahlreichen sozialen Projekten aufopferte und verzehrte.
Jahrelang hatte sie als Sozialarbeiterin junge drogensüchtige Mädchen und Frauen betreut, die ihre Sucht durch Prostitution finanzierten. Auf dem langen Weg zurück ins Leben war Domenica ihre einzige Hoffnung. Menschen können ungerecht sein, seltener sind sie undankbar. Am Ende gaben viele Hände, sorgte das Spendengeld für einen feierlichen und versöhnlichen Abschied.
Domenica, die in ihrem zweiten Leben Herz und Haustür sperrangelweit für Frauen auf der dunklen Straßenseite offen gehalten hatte, fand dieser Tage auf dem Ohlsdorfer Friedhof ihren ewigen Frieden. Ihre Keramik-Urne wurde in Form eines großen Herzens auf der Garbanlage “Garten der Frauen” beigesetzt. “Würdig” soll es zugegangen sein, sagte der Mann vom Bestatter GBI. Für ihn war und bleibt sie “eine verdiente Bürgerin der Stadt Hamburg”. K RWF
Quelle: www.bild.de
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